• „Manche lieben ihn, manche hassen ihn. Den Anzug, die Bürouniform schlechthin.“

    BildUnd wie auch immer Ihre persönliche Beziehung zum Anzug aussieht – im Sinne des Anzugknigge kommen Sie nicht um ihn herum und ist er wohl das wichtigste Kleidungsstück in der Geschäftswelt.
    Grund genug, um in diesem Artikel Anzugknigge einmal die Empfehlungen und auch die „No go’s“ aus Sicht der modernen Umgangsformen zu betrachten.
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    Woher kommt er eigentlich, der Anzug ?

    Seine Herkunft verdankt er dem Reitkostüm für Männer und den Offiziersjacken.
    Einer der Gründe, weshalb beim Einreiher der unterste Knopf offen bleibt, denn Offiziere waren in der Regel Kavalleristen und beim Reiten soll die Jacke rechts und links über den Sattel fallen.

    Ob wir es wollen oder nicht:
    Im heutigen Geschäftsleben gibt es kaum ein Kleidungsstück, das eher mit Kompetenz und Souveränität assoziiert wird als der Anzug. Dies bedeutet natürlich nicht, dass mit dem Anziehen eines Anzuges die Kompetenz und die Souveränität des Trägers automatisch steigen – da hilft auch der beste Anzugknigge nichts.
    Doch weil sich Menschen bereits in 0,3 – 7 Sekunden einen (ersten) Eindruck von Ihnen gemacht haben, zählt Ihre Kleidung zu den entscheidenden Werkzeugen, um zu wirken.
    Und weil es nicht nur reicht, wenn Sie gut sind, sondern es mindestens genauso wichtig ist, wie die anderen Sie wahrnehmen, empfiehlt der Anzugknigge den Anzug als beste Kleidungswahl.
    Natürlich weiß ich, dass die Wirkung eines Anzugs auch polarisieren kann.
    Doch gibt zahlreiche Studien, die die Empfehlungen im Anzugknigge unterstützen und beweisen, dass man Anzugträgern im Durchschnitt mehr vertraut und eher folgt.
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    Dies bewiesen Verhaltensforscher in einem Experiment: Im ersten Versuch, trug ein Schauspieler einen Anzug, im zweiten, alte und zerrissene Freizeitkleidung. Die Person sollte dann in den verschiedenen Outfits, eine rote Ampel überqueren. Das Ergebnis sehen Sie im Film am Ende des Artikels.
    Und auch meine persönliche Erfahrung bestätigt die Empfehlungen des Anzugknigge :
    Im Anzug werde ich durchweg „besser behandelt“.
    Ob es um den Check-In am Flughafen oder im Hotel, die freundlichere Behandlung in Geschäften oder prinzipiell der gesteigerte Respekt und die Wahrnehmung als kompetent und souverän ist. Sicher auch ein Grund, warum der Anzugknigge es Führungskräften empfiehlt, sich dieses Werkzeugs bei der Kleiderwahl zu bedienen.
    Der Anzug ist vorwiegend ein Kleidungsstück für Männer. Beim Hosenanzug oder dem Kostüm (Rock statt Hose) empfiehlt der Anzugknigge den Damen, sich bitte an den Empfehlungen für die Anzüge zu orientieren.
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    Wie trägt man ihn den nun, den Anzug?

    Beginnen wir mit den Tipps des Anzugknigge zur Farbe: Die klassischen Anzugfarben des offiziellen Business-Knigge sind blau und (dunkel-)grau.
    Schwarz als Anzugfarbe ist besonderen Events, dem Abend oder auch Beerdigungen vorbehalten. Ausnahmen bestätigen natürlich wie immer die Regel, so wird z.B. in der Werbebranche viel schwarz getragen.
    Nun sind Anzüge in hellen Farben oder in Braun- und Grüntönen nicht „verboten“. Nur wirken eben dunkelblau und dunkelgrau als Farben stärker zur Unterstreichung von Kompetenz und Souveränität. Deshalb sind z.B. Uniformen auch meist dunkel, ebenso Talare.
    Als ideale Kombination zum dunklen Anzug empfiehlt der Anzugknigge das weiße Hemd, denn der Kontrast zieht, einem Lichtkegel gleich, den Blick ins Gesicht. Und Blickkontakt und Mimik sind elementar für die Kommunikation.

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    Was sagt der Anzugknigge zum Thema Stoff:

    der klassische Anzugstoff im Geschäftsleben ist reine Schurwolle. Bitte Finger weg von allen Kunstfasern, da diese meist beim Schwitzen unangenehm werden. Leinen und Baumwollstoffe sind (auch wegen des „Knitterlooks“) eher der Freizeit vorbehalten.
    Die Stoffqualität: im Großen und Ganzen wirken feine Stoffe edler als grobe. Doch zu fein sollte der Stoff auch nicht sein, denn sonst nutzt er sich schneller ab und glänzt unangenehm. Gerade wenn Sie viel sitzen, bitte darauf achten. Ich persönlich trage 120er bis 140er Stoffe.
    Die Anzugjacke: die Art der Anzugjacke wird größtenteils von den Kopfreihen, dem Revers und den Schlitzen bestimmt. So gibt es vor allem: den konservativen Zweireiher gegenüber dem moderneren Einreiher tagsüber oder abends. Und für den festlichen Abend noch den Smoking („Black Tie“) und den Frack („White Tie“) – die wir in diesem Anzugknigge aussen vor lassen.

    Der Einreiher hat eine Knopfreihe mit zwei oder drei Knöpfen (die Mode wechselt hier regelmäßig). Tragen Sie eine Krawatte, ist die Anzugknigge Empfehlung klar: die Knöpfe werden im Stehen immer geschlossen, wobei der unterste Knopf offen bleibt. Ohne Krawatte haben Sie die Wahl „Offen oder geschlossen“, wobei mir dann ein offenes Sakko besser gefällt.
    Bei Einreihern haben Sie die Wahl zwischen einem oder zwei Rückenschlitzen, immer zwei Rückenschlitze sind es beim Zweireiher.
    Der Zweireiher hat zwei Knopfreihen (von denen eine innen geknöpft wird), es werden alle Knöpfe geschlossen, beim Zweireiher auch im Sitzen.
    Klassisch haben im übrigen Zweireiher ein steigendes, Einreiher ein fallendes, moderner und jünger wirkendes, Revers. Auch wenn die Modemacher dies gerne durcheinander würfeln.

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    Die Ärmellänge – das Trauerspiel der Herrenmode in Deutschland.

    Hier sagt der Anzugknigge: Das Hemd soll bitte mindestens 1 cm sichtbar aus den Ärmeln heraus schauen und dabei bis zur Daumenwurzel gehen. Ein zu langer Anzugärmel ist nicht nur wenig schön, sondern auch unhygienisch. Denn das Hemd aus Baumwolle soll die Jacke aus Wolle schützen.
    Gerne darf das Hemd weiter zu sehen sein, insbesondere, wenn Sie Manschettenknöpfe tragen.
    Nur sind die Anzugjacken „von der Stange“ in der Regel zu lang. Denn sie sind darauf geschneidert, auf die richtige Länge gekürzt zu werden. Nur lassen das die wenigsten Männer wirklich ändern. Schade, aus meiner Sicht an der falschen Stelle gespart.

    Die Hose: ist beim Anzug aus dem gleichen Stoff wie die Jacke. Bei der Kombination in der Regel aus einem helleren Stoff. Kombinationen wirken immer weniger formell und bringen das Risiko der „falschen Farbwahl“ mit sich. Ich persönlich trage keine im Berufsleben.
    Die Hosenlänge sollte so gewählt werden, dass der hintere Saumteil bis zum Absatz des (bitte Leder-) Schuhs reicht und dadurch vorne eine Falte entsteht. Ich empfehle, auf einen Umschlag zu verzichten, aber bitte in jedem Fall eine (eine, nicht zwei !) Bügelfalte. (Pro Bein, versteht sich …)

    Die Weste: ist beim dreiteiligen Geschäftsanzug aus dem gleichen Stoff wie Jacke und Hose. Dreiteiler wirken noch ein Stück förmlicher und sind immer Einreiher. Übrigens entbindet auch eine Weste (bitte nur mit Krawatte) gemäss Anzugknigge den Gentleman nicht davon, sein Sakko im Stehen zu schließen. Sowohl bei der Weste wie auch dem Sakko bleibt bitte der unterste Knopf offen.
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    Im Übrigen ist es oft kaum teurer, einen Maßkonfektionsanzug anfertigen zu lassen, als einen Anzug von der Stange zu kaufen.

    Maßgeschneiderte Anzüge haben in der Regel durchknöpfbare (und nicht nur aufgenähte) Ärmelknöpfe. Deshalb lassen Sie in diesem Fall den untersten Ärmelknopf offen.
    Vorsicht also: mit einem freundlich gemeinten „Ihnen fehlt ein Knopf am Ärmel.“ könnten Sie einen Fauxpas begehen.

    Lassen Sie mich den Anzugknigge mit einem Zitat von Giorgio Armani schließen:
    „Kleide Dich nicht für die Position, die Du hast. Kleide Dich für die Position, die Du haben willst !“

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    wurde gebloggt am 19. Januar 2015 in der Rubrik Presse - News
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